• Relation I SHIP Photography

    Relation I SHIP Photography

    Wenn es euch nicht vom Herzen kommt, ihr werdet’s nicht erjagen. (Goethe)

Fotografie

Fotografieren, das ist für mich das Erspüren und das Erschnüffeln von Momenten, es ist zugleich ein Gefühl für einen bestimmten Moment und eine Komposition zu haben. Damit hat es etwas Unbewusstes und etwas Bewusstes zugleich. Ich verstehe Fotografie als Kunst, da ich immer auch etwas gestalte, verändere und meine Sicht auf die Dinge zeige. Wenn ich fotografiere möchte ich Emotionen einfangen und ausdrücken. Ich möchte mit meinen Bildern Geschichten erzählen, Menschen berühren und in dem Betrachter Phantasie wecken. Das schönste Geschenk ist für mich, wenn sich Menschen über meine Bilder unterhalten und dabei zugleich von sich erzählen und sich gegenseitig einen Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt geben. Das bedeutet, dass sie sich Zeit nehmen, raus aus dem Alltag finden, die Schnelligkeit der Arbeitswelt für einen Augenblick vergessen und den vielen visuellen Eindrücken, die uns den ganzen Tag umgeben, kurz entkommen. Daher mag ich meine Fotografien nicht erklären. Denn es geht nicht so sehr um mich, sondern um die Betrachter*in. Was ich jedoch erklären will, ist, was Fotografie für mich ausmacht.

Ich würde mich selbst als Moll-Mensch bezeichnen. Fotografie hat für mich etwas mit Resonanz zu tun. Ich mag daher Tiefe und Melancholie in Bildern. Das ist sehr gut zu sehen in dem was ich „Kunstbilder“ nenne. Aber auch meinen Porträtfotografien sieht man an, dass es mir nicht darum geht, Menschen nur mit einem Lächeln im Gesicht abzubilden, sondern ich habe vielmehr Interesse an der Persönlichkeit meines Gegenübers.

„Das Wesen des Menschen bei der Aufnahme sichtbar zu machen, ist die höchste Kunst der Fotografie“ (Friedrich Dürrenmatt).

In meinen Menschenbildern möchte ich Wesenszügen oder dominante Emotionen von Menschen einfangen. Ich versuche, Momente einzufangen, die die gesamte Geschichte erzählen. Als Soziologin und Coach bin ich daran interessiert die Gesamtheit eines Menschen wahrzunehmen, als Fotografin will ich das von mir Wahrgenommene – also das Wesen, die Persönlichkeit und die Ausstrahlung der Menschen – in Bildern abbilden. Die Kamera ist für mich ein Schlüssel zu den Leben der Menschen, die ich fotografiere. Personen, die ich fotografiere, öffnen mir ihre Tür und ich erhalte für Sekunden oder Minuten Eintritt. Fotografie ist daher immer etwas Intimes, daher ist das Vertrauen, was mir Menschen gegenüber bringen, wenn ich sie abbilden darf, eine Auszeichnung. Eine Fotografie ist immer ein Herauslösen eines Moments aus einem Kontext, damit bewahrt die Fotografie eine bestimmte Emotion zu einem bestimmten Zeitpunkt. Fotografien entblößen daher immer etwas. Dadurch haben viele Menschen ein unangenehmes Gefühl, wenn sie fotografiert werden. Eine Fotografie hält unwiderruflich diesen einen Moment fest, in dem wir einen Wesenszug oder eine Emotion zeigen. Wir frieren jemanden zu einem bestimmten Zeitpunkt ein. Daher ist es wichtig, dass ich Menschen mit einem liebevollen Auge fotografiere und den Menschen damit ihre Angespanntheit nehmen. Diese Angespanntheit zeigt sich oftmals dadurch, dass Menschen versuchen sich von ihrer „Schokoladenseite“ zu zeigen, sie präsentieren sich auf eine ganz bestimmte Art und Weise, damit verstecken sie sich. Durch die Anwendung von Methoden aus dem Coaching aber unterstütze ich die Menschen dabei, sich in meiner Gegenwart wohlzufühlen und sich zu öffnen.

Dies macht deutlich, welche Bedeutung Vertrauen in der Menschenfotografie zukommt. „Ein Porträtfotograf, der es nicht schafft, Vertrauen und Sicherheit herzustellen, wird selten gute Porträts aufnehmen, oder ihm wird das Innerste der porträtierten Person verborgen bleiben“ (Barnow 2016: 6). Vertrauen und das Herstellen von Intimität ist die Grundlage eines jeden Porträts. Es kann sich dabei um das klassische Porträt handeln, aber auch um Porträts, wenn sich viele Menschen in einem Raum befinden. Letzteres ist eine meiner großen Leidenschaften. Ich fotografiere gerne bei Ausstellungseröffnungen, Konzerten und Lesungen, aber auch bei Hochzeiten und Geburtstagen. Dabei versuche ich in den Fotografien die Emotionen des Abends festzuhalten ohne die Menschen zu stören oder für diese sichtbar zu sein. Daher fotografiere ich immer ohne Blitz und mit einer Kamera, die beim Auslösen keine Geräusche verursacht (Lumix Gx8). Denn Störungen verändern Situationen. Auch hier versuche ich, durch Beobachtung und ohne Kommunikation in die Wesen der Menschen einzutauchen. Dabei ist es mir wichtig, dass ich keine Schubladen öffne und Projektionen zu viel Raum zu lassen. Denn jede Bewertung reduziert unsere Wahrnehmung darauf, was wir sehen wollen und verdeckt das, was wir sehen könnten.

Nun stellt sich die Frage, wie ich zu Retuschen von Fotografien stehe, wenn doch Porträts die Emotionen, Erlebnisse und die Biografien der Personen zeigen sollen. Kurz: Es macht keinen Sinn „Lebenszeichen“ aus einem Porträt zu retuschieren oder zu glätten. Dies mache ich nur, wenn der Auftraggeber es unbedingt verlangt oder es sich um Werbefotografie handelt. Aber auch dabei achte ich darauf, dass das Foto authentisch bleibt. Denn auch hier gilt, dass Emotion, genauso wie Licht und Komposition, eines der wesentlichen Charakteristika einer guten Fotografie sind.